Immobilien Magazin

A NEW COMPANY RELOADED

Wenn zwar nicht alles, aber doch das eine oder andere beim Alten bleibt, muss das noch lange nicht heißen, dass man es sich dabei einfach gemacht hätte. Oft ist genau das Gegenteil der Fall. Bei der Strabag Real Estate in Österreich jedenfalls war und ist das so.

Autor: Gerhard Rodler

Je nach Perspektive und Sichtweise hat die Geschichte der Immobilien-Projektentwicklung im Baukonzern Strabag eine überraschend kurze oder umgekehrt eine überraschend lange Geschichte.

Die Kurzfassung: Seit 1965 beschäftigt sich die Strabag nicht nur mit dem Baugeschäft, sondern auch mit der Immobilienentwicklung. Das war allerdings in Deutschland, und damals gab es noch ganz andere Eigentumsverhältnisse.

Die Langfassung: Nach Übernahme des Mischek-Wohnbaukonzerns - und damit dem Einstieg in den Bereich des leistbaren und geförderten Wohnbaus - kam 2016 die Raiffeisen evolution zum österreichischen Teil der Strabag. Ein wenig könnte man sagen, dieser Bereich kam "jetzt ganz zur Strabag". Denn der Baukonzern war bis dahin schon mit 20 Prozent an diesem Joint-Venture beteiligt und hatte dafür damals Teile der eigenen Projektentwicklung mit eingebracht.

Big Player am Markt

Jetzt ist die ehemalige Raiffeisen evolution zu 100 Prozent Teil der Strabag Real Estate (SRE). Mitte 2018 erfolgte dann der Start für einen sanften Relaunch der Wohnkonzepte, den man aber genauso gut als intelligente Weiterentwicklung bezeichnen könnte. Auch wenn damit in Österreich die Immobiliendevelopment-Aktivitäten noch relativ frisch sind, so ist der Strabag-Konzern nicht nur ein erfahrener, sondern auch ein Big Player am Immobilien-Development- und Bauträger-Markt. Denn in Deutschland zählt die SRE zu den ganz großen Nummern - und das seit geraumer Zeit. Eine Bruchlinie hat es bei der Übernahme des großen österreichischen Immobilienunternehmens durch den Strabag-Baukonzern ohnedies auch nicht gegeben. Denn nach eingehender Prüfung und Marktanalyse hatten sich die beiden für Österreich zuständigen Chefköche der Strabag Real Estate, Erwin Größ sowie Johannes Mayr, entschlossen, die wichtigsten Erfolgsrezepte der seinerzeitigen Raiffeisen Evolution nicht über Bord zu werfen, aber sehr wohl intelligent weiterzuentwickeln.

“Wir wollen in Österreichs Landeshauptstädten gleichermaßen vertreten sein.”

Vor allem die seinerzeitige Innovation des "Wohn-Base"- Konzeptes wurde übernommen. So ist es beim wirklich spannenden Projekt Klitschgasse 7 im grünen 13. Wiener Gemeindebezirk. Hier kommt beispielsweise zu den von "Wohn-Base-Projekten" bekannten Features, wie Fitnessraum, Arbeitsplätze und ein cooler, toll ausgestatteter Gemeinschaftsraum, auch noch ein "ausgelagertes" Gästeappartement dazu. Dieses kann man im Bedarfsrespektive Besuchsfall um wohlfeile 20 Euro pro Tag/Nacht einfach anmieten.

Damit haben sich die Grundpfeiler des Unternehmens - Innovation und Qualität - auch unter neuer Flagge nicht geändert. Nicht wirklich neu ist da auch die Ausrichtung auf gesamt Österreich auf so gut wie alle Assetklassen. Aktuell wird neben dem Wohnbau - da gibt es Projekte vor allem am Nordbahnhofgelände mit aktuell 117 Wohnungen, die Anfang 2019 fertiggestellt werden sowie weitere 50.000 m² Bruttogeschoßfläche in den kommenden fünf bis sieben Jahren beziehungsweise das Anfang 2019 startende Projekt in der Rößlergasse im 23. Wiener Gemeindebezirk mit immerhin 150 Wohnungen - auch jede Menge Büro- und Gewerbeimmobilienprojekte. 30.000 m² Bruttogeschoßfläche Büro wurden bereits im Vorjahr zur Verwaltung übernommen, ein weiteres Projekt mit 11.000 m² Bruttogeschoßfläche, Square two, startet Anfang kommenden Jahres. Dazu kommt ein kürzlich akquiriertes Gewerbeimmobilienprojekt im dritten Wiener Gemeindebezirk, wo ein Drei-Sterne-Hotel geplant ist, und ein Joint Venture in der Perfektastraße im 23. Wiener Gemeindebezirk.

Auch mit Partnern

Neuerdings scheut die Strabag Real Estate aber auch vor Joint-Ventures nicht zurück. Im Gegenteil, diese werden sogar aktiv betrieben, so Strabag Real Estate Österreich-Chef Erwin Größ. Mit der S+B Gruppe etwa treibt man auf der Donauplatte das gemischt genutzte Projekt DC 10 voran. Es gibt aber auch noch einen anderen, wohl den neuen Umwidmungsusancen der Gemeinde Wien geschuldeten Weg. Da ja bei Umwidmungen zu Wohnzwecken künftig zwingend ein gewisser Teil für das leistbare Wohnen reserviert sein muss, will sich die SRE gemeinsam mit Wohnbaugenossenschaften Wohnbaugrundstücke insofern teilen, als dass hier Strabag Real Estate den frei finanzierten Teil abdeckt und die jeweiligen gemeinnützigen Partner für den geförderten Wohnbau auf derselben Liegenschaft verantwortlich zeichnen.

"Wir wollen einfach einen tollen Mix", sagt Johannes Mayr im Gespräch. Genau diesen Mix treibt das Unternehmen aber neben Wien auch in ganz Österreich, vorrangig in den Landeshauptstädten, voran. In Salzburg steht man mitten im Widmungsverfahren für ein Hotelprojekt, in Linz ist die SRE einerseits in Akquisephase, andererseits auf der Suche nach lokalen Partnern. Denn, so Johannes Mayr, "wir wollen in Österreichs Landeshauptstädten gleichermaßen vertreten sein und arbeiten da auch sehr gerne mit Partnern zusammen."

Was aber nicht bedeutet, dass die Strabag Real Estate das Risiko scheut. "Wir kaufen auch Liegenschaften ohne entsprechender Widmung", betont ergänzend Erwin Größ. Erst kürzlich wurde eine derartige Liegenschaft im 23. Wiener Gemeindebezirk erworben. Es geht aber auch anders: Eine schon mit der richtigen Widmung erworbene Liegenschaft im 20. Bezirk wurde kürzlich gekauft - in 2019 ist man dann dort am Start.