Immobilien Magazin

Aufbruchstimmung in Kiew

Knapp fünf Jahren nach den blutigen Zusammenstößen am Majdan herrscht Aufbruchstimmung in Kiew. Vor allem Expats treiben den Kiewer Wohnungsmarkt. Zudem hat die Ukraine hohes Potenzial für Logistikimmobilien.

Autor: Charles Steiner aus Kiew

Knapp fünf Jahre ist es her, als der Majdan Nesaleschnosti im Zuge der Euromaidan-Proteste einem Schlachtfeld glich. Hunderttausende Demonstranten forderten den Rücktritt des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, der die Unterzeichnung eines EU-Assoziierungsabkommens aufgrund von Druck des russischen Präsidenten Vladimir Putin ausgesetzt hatte. Bis die Lage eskalierte und Berkut-Einheiten die Demonstranten zusammenprügelten und Sniper an den Dächern auf Demonstranten schoss. 150 Tote waren damals zu beklagen, Janukowytsch floh und und wurde abgesetzt. Heute ist alles ruhig, in Kiew und rund um den Majdan herrscht Aufbruchstimmung.

Expats treiben Wohnmarkt an

Es sind mittlerweile verstärkt Expats, die in die ukrainische Hauptstadt strömen und zunehmend den Wohnungsmarkt ankurbeln. Diese suchen vor allem nach Mietwohnungen, vornehmlich im Premium-Segment, was zunehmend zu einer Verknappung von Wohnungen der gehobenen Kategorie führt. Das führt in weiterer Folge auch dazu, dass zunehmend ausländische Investoren und Immobilienfonds in den Wohnungsmarkt einsteigen, um den Bedarf zu decken. Das geht aus einer Prognose des Luxusimmobilien-Dienstleisters Aim Realty Kiev hervor.

Generell haben sich Kauf- und Mietpreise für Immobilien in der ukrainischen Hauptstadt drastisch verändert, sie sind in den vergangenen Jahren massiv in die Höhe gegangen, sagt der Immobilienexperte Glib Denysenko in einem Interview mit dem Portal UA Destinations. Er schätzt den Zeitpunkt für Investments aber derzeit als sehr günstig ein, denn die starken Preissteigerungen haben sich mittlerweile eingependelt und befinden sich in einer Seitwärtsbewegung. Allerdings gibt Denysenko zu bedenken, dass lediglich Immobilien in fünf bis sieben Minuten Entfernung von der Metro gefragt sind. Kein Wunder: Bei einem Lokalaugenschein des immo7 ist die Metro die beste Variante, denn die Intervalle der O-Busse sind entsprechend hoch, die Straßenbahn fährt nur in wenigen Stadtteilen und in Randlagen beschränkt sich der öffentliche Verkehr auf sogenannte Marschrutkas, vergleichbar mit Sammeltaxis.

Zudem seien Investments in diesem Segment auch nur in Objekten der Vorrevolutionsära oder Neuentwicklungen gefragt. Objekte dazwischen - also aus der Sowjetära - hätten massiven Sanierungsbedarf.

Bei Gewerbeimmobilien wird von Investoren auf westliche Standards - Energieffizienz etwa - Wert gelegt, diese Objekte werden auch entwickelt. Und aufgrund des größeren Angebots moderner Gebäude geraten Eigentümer von älteren Bestandsimmobilien unter Druck, denn die müssen ihre Mieter halten, was die Mieten indirekt proportional zu den wachsenden Strompreisen sinken lässt. Allerdings erweist sich der Büroimmobilienmarkt, was Neuzugänge betrifft, als inaktiv - auch geschuldet durch den bewaffneten Konflikt mit Russland in der Ostukraine und dem sehr labilen Grywna.

Geheimtipp Logistikdevelopment

Als Geheimtipp sind in der Ukraine für Entwickler generell aber Logistikimmobilien aufgrund der Lage zwischen schwarzem Meer sowie den Grenzen zu Polen, der Slowakei, Rumänien und Ungarn zu werten. Und es gäbe für Entwickler durchaus Potenzial: Laut einer Statistik, die der ukrainische Developer Mayger Development & Consulting zitiert, liege der Anteil an Lager- und Logistikraum bei rund 40 m² pro 1.000 Einwohner. In Westen Europas ist die Sättigung 15 bis 17-mal höher. Und gerade in der Ukraine mangelt es an hochwertige Klasse A- und B- Flächen. Das ließ die Mieten für erstklassige Flächen dramatisch ansteigen, die mittlerweile zwischen 20- bis 50 Prozent über den Hauptstädten Ost- und Mitteleuropas liegen.