Immobilien Magazin

Teile der Bauordnung neu sind durch

Der Initiativantrag zum Schutz von Gründerzeithäusern ist gestern beschlossen worden und wird ab Sonntag wirksam. Von Seiten der Immobilienverbände hagelt es Kritik.

Autor: Charles Steiner

Teile der Wiener Bauordnung, wonach Gründerzeithäuser, die abgebrochen werden sollten, einer vorherigen Genehmigung durch die Stadt Wien bedürfen, sind jetzt vorgezogen und gestern im Wiener Landtag beschlossen worden, ab Sonntag tritt das Regelwerk in Kraft. Man habe den Initiativantrag von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) deshalb eingebracht, weil durch die geplante Bauordnung, die eigentlich im Herbst beschlossen werden sollte, einige Gründerzeithäuser in aller Eile abgerissen wurden, bevor die einer Genehmigung bedürfen. Dem hat mit dem vorgezogenen Beschluss die Stadt jetzt einen Riegel vorgeschoben.

Novelle kein Schutz für Zinshäuser

Allerdings: Mit dem Initiativantrag zum Schutz der Gründerzeithäuser ist der Erhalt der Zinshäuser keinesfalls gesichert, das sagen so ziemlich alle Branchenvertreter. Der Richtwertmietzins, der für die Objekte gilt, mache nämlich eine Sanierung wirtschaftlich nicht rentabel - und statt das Gründerzeithaus abzureißen und einen mit freiem Mietzins belegbaren Neubau zu errichten, würden diese Objekte schlichtweg verfallen.

Als "Schnellschuss-Teilbeschluss" bezeichnete etwa der ÖVI diesen Teilbeschluss: Statt nämlich den medial von der Stadt angekündigten "deutlich verbesserten Schutz für Gebäude mit Baujahr vor 1.1.1945" würde die Novelle neben der de-facto-Abschaffung der technischen Abbruchreife vorsehen, dass auch einzelne Gebäude als Schutzzone ausgewiesen werden können. Heißt: Für einen Abbruch benötige es eine Bestätigung der MA 19 - allerdings, so der ÖVI, stellt sich die Frage, nach welchen Prämissen man eine solche bekomme. "Einmal mehr wird auf Kosten der Immobilienwirtschaft die Rechtssicherheit untergraben, denn auch schon begonnene Abbruchvorhaben können gestoppt werden. So werden bereits lange vorbereitete Projekte von Investoren, die den in Wien dringend nötigen Wohnungsbedarf schaffen, vereitelt oder verkompliziert", sagt ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel.

Auch bei der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKW stößt dieser Beschluss sauer auf. Bereits im Vorfeld hatte Fachgruppenobmann Michael Pisecky gewarnt, dass dieser Initiativantrag mittelfristig zum Verfall für Zinshäuser führe. "Ein etwaiges Abrissverbot ist keine Lösung, sondern führt lediglich zum Komplettverfall. Solange die Einnahmen bei diesen Gebäuden nicht an ein wirtschaftliches Niveau herangeführt werden, sind Wiens Gründerzeithäuser mittelfristig dem Untergang geweiht!", so Pisecky im Vorfeld. Denn Sanierungen solcher Häuser sind teurer als ein Neubau, durch den Richtwert könnten diese Kosten nicht getragen werden. Er plädiert dafür, im Sanierungsfalle die Mieten dem Markt anzupassen, um Anreize zum Erhalt der Gründerzeithäuser zu schaffen.

Auch Martin Prunbauer, Präsident des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbundes (ÖHGB) spart nicht an Kritik. Eine solche generelle Unterschutzstellung von Häusern ab eines gewissen Alters sei für ihn ein maßlos übertriebener Objektschutz und in dieser Form unzumutbar: "Hätte es Derartiges schon zur Gründerzeit gegeben, so hätten wir heute keine prächtige Ringstraße, sondern immer noch die Stadtmauer."