Immobilien Magazin

Heimkehrer. Aufsteiger. Digitalisierer.

Roboter ergänzen die Aufzugsmonteure vor Ort und ersetzen diese sogar in besonders gefährlichen Situationen.

Autor: Gerhard Rodler

Dank Digitalisierung steigen Aufzüge ins Mediengeschäft ein. Die Krise muss warten, der neue General Manager Daniel Reisenberger hat keine Zeit dafür und hat das 2019er Rekordniveau längst wieder erreicht.

Die Augen von Daniel Reisenberger schweifen kurz von seinem Gesprächspartner ab und seine Blicke schweifen in dieser Nachdenkpause die beiden Twintowers in direkter Nachbarschaft. Die vor einigen Jahren neu errichtete Zentrale von Schindler Österreich befindet sich buchstäblich im Schatten der Büroagglomeration Wienerberg und fußläufig zum Euro Plaza. Viel Potenzial für Schindler-Aufzüge ...

Es ist ein Hauch von Vertrautheit, wenn er auf die Immofinanz-Trophy-Immobilie blickt. Dabei ist er erst seit März 2019 beruflich wieder in Wien. Es war ein Ankommen. Eine Heimkehr. Ein Aufstieg.

Nach 18 Jahren internationalem Konzernleben kehrte Daniel Reisenberger dorthin zurück, wo alles begann: Nach Wien. Hier, in der österreichischen Niederlassung von Schindler. Hier startete er als Controller.

Hier verantwortete er in den Finanzkrisenjahren 2008 bis 2010 das Osteuropageschäft des zu den weltweit führenden Anbietern zählenden Aufzugsunternehmens. Ausgerechnet das besonders krisengebeutelte Osteuropa. Seine Auslandsjobs waren dann nicht weniger aufregend. Zurückgekehrt nach Österreich hätte es dann durchaus etwas ruhiger sein können.

Aber es kam dann doch alles ganz anders. 2019 startete Reisenberger in seiner neuen Funktion als Vorsitzender der Geschäftsführung von Schindler Österreich, mitten im größten Immobilien- und Neubauboom seit Jahrzehnten.

Und dann kam ein knappes Jahr später die Pandemie und alles war plötzlich wieder anders. Fad war es Reisenberger im Job ja nie. Und irgendwie scheint es seine Bestimmung zu sein, dass das auch so bleibt.

Immobilien Magazin: Wie erlebt die Aufzugsbranche die Krise?

Daniel Reisenberger: Ich habe den Eindruck, unsere gesamte Branche kommt vergleichsweise gut durch die Krise. Wir sind mittlerweile schon wieder auf einem Vorkrisenniveau angekommen.

IM: Wie wird das Krisenjahr 2020 für Schindler in Österreich geschäftlich verlaufen?

Reisenbeger: Wir kommen mit einem blauen Auge durch dieses Jahr und dürfen vor allem für das kommende Jahr schon wieder sehr optimistisch sein.

IM: Wie das?

Reisenberger: Wir haben im Oktober mit einer völlig neuen Produktlinie gestartet, von der man in aller Bescheidenheit sagen kann, dass diese ein völlig neues Zeitalter einläutet.

IM: Aufzüge transportieren Menschen und manchmal Güter von oben nach unten und umgekehrt, was kann da so revolutionär sein?

Reisenberger: Richtig, es gibt kaum eine traditionellere Branche, unsere noch in Betrieb befindlichen Aufzüge sind manchmal 80 bis 100 Jahre alt, wo es bislang mehr ums Nachrüsten gegangen ist. Was wir in diesem Oktober als eine der ersten Landesgesellschaften präsentierten, ist daher tatsächlich eine völlig neue Ära für Aufzüge.

IM: Nämlich?

Reisenberger: Die Digitalisierung hat unser Geschäft von einem Tag auf den anderen verändert. Aufzüge sind jetzt fahrende Werbe- und Kommunikationsflächen. Wahlweise die gesamte Wand im Aufzug wird zu einer Filmwand, wobei jeder einzelne Aufzug individuell und situativ zentral bespielt werden kann. Dazu kommen Aufzugstüren als Werbeflächen mit einer maximalen Aufmerksamkeit.

IM: Ein neues Produkt von Schindler?

Reisenberger: Ja, wir bieten diese Umrüstung an und bespielen in Abstimmung mit unseren Kunden diese Kommunikationsflächen, entweder mit Botschaften des Unternehmens selber oder auch mit externer Werbung, womit der Aufzug dann sogar zu einer Einkommensquelle für unsere Kunden werden könnte.

IM: Das ist aber nur ein Teil der Digitalisierungsoffensive?

Reisenberger: Richtig. Dank Big Data können wir die Wartungsintervalle optimieren, das heißt, wir servicieren künftig nicht mehr "auf Verdacht", sondern dann, wenn es tatsächlich nötig wird. Das steigert nochmals die Verfügbarkeit, minimiert Störungen und optimiert alle Bereiche. Aber die Digitalisierung geht natürlich viel weiter!

IM: Wie weit geht die Digitalisierung bei Schindler?

Reisenberger: Das beginnt schon bei der Planung. Wir suchen aktiv das Gespräch mit Bauträgern, Architekten und Planern schon von einer ganz frühen Planungsphase an und bieten auch ein eigenes Planungstool für eine optimierte Planung.

IM: Die Vorteile für Architekten sehe ich darin ja noch, aber was bringt das den Bauträgern und Investoren?

Reisenberger: Noch viel mehr als den Architekten. Es ändern sich ja nicht nur Normen ständig, sondern auch das Produkt "Aufzug" macht eine Evolution durch. Damit ändert sich auch der Platzbedarf des Aufzugsschachtes. Planer müssen daher immer eine gewisse Sicherheitsreserve bei der Dimensionierung einplanen, damit der Schacht nicht zu klein wird. Mit der von uns angebotenen neuen Software kann man praktisch auf den Zentimeter genau planen. Damit können bei hohen Gebäuden hunderte m² an zusätzlicher Nutzfläche gewonnen werden, die sonst verloren wären.

IM: Haben Ihre Mitbewerber auch solche Tools?

Reisenberger: Das kann ich nicht sagen, aber Fakt ist, dass Schindler tatsächlich und objektiv Standards setzt. Es ist kein Zufall, dass die International Organization of Standardization (ISO) die simulationsbasierte Methodik von Schindler und die entsprechenden Planungskriterien bestätigt und in der neuen ISO-Norm 8100-32:2020 vollinhaltlich übernommen hat. Diese neue Norm beinhaltet eine Anleitung zur genauen Bewertung der Transponderanforderungen in Gebäuden und zur Auswahl der geeigneten Aufzugsanlage.

IM: Digitalisierung beginnt also schon bei der Planung?

Reisenberger: Natürlich, und sie setzt sich in gewisser Hinsicht sogar bei der Montage weiter fort.

IM: Wie geht das?

Reisenberger: Selbst bei der Montage spielt Digitalisierung eine große Rolle. Das sorgt für einen reibungslosenAblauf, der zudem gerüstlos über die Bühne geht. Es geht aber sogar so weit, dass Schindler bei der Montage Roboter einsetzt.

IM: Hier bei uns in Österreich?

Reisenberger: Ja, Schindler Österreich hat derzeit einen von weltweit nur zehn dieser Roboter im Einsatz. Dieses Gerät montiert selbstständig die Bolzen im Schacht und führt auch die Montage der fünf Meter langen Führungsschienen im Schacht durch. Diese beiden Tätigkeiten zählen nämlich zu den gefährlichsten Tätigkeiten bei der Aufzugsmontage. Dank einer speziellen Software kann dabei ein Höchstmaß an Präzision und Genauigkeit erzielt werden.

IM: Wo ist dieser Roboter aktuell im Einsatz?

Reisenberger: Er ist aktuell bei der Montage der Schindler-Aufzüge im Triiiple- und im Marina-Tower im Einsatz.

IM: Ist die Evolution der Aufzüge mit diesem Digitalisierungsschritt am Ende der Evolution angekommen?

Reisenberger: Das glaube ich nicht. Die Zukunft gehört wahrscheinlich dem berührungslosen Aufzug, den man über eine App holen kann, oder Aufzüge, welche bei der Garageneinfahrt das Kfz-Kennzeichen erkennen und den Aufzug schon vorfahren, wenn sich der Kfz-Lenker den Aufzugstüren nähert. Ebenso wie Energieeffizienz ein großes Thema ist. Derzeit sind schon bei einem Drittel der Wohnhausanlagen Aufzüge mit Energiegewinnung im Einsatz.

IM: Danke für das Gespräch.