Immobilien Magazin

DIE KLEINWILDJÄGER

Schädlingsbekämpfer lösen kleine und große Probleme der Hauseigentümer. Fingerspitzengefühl ist bei diesem Beruf gefragt, nicht nur bei den Schädlingen, sondern auch bei den Kunden.

Autor: Thomas Rottenberg

In Wirklichkeit müsste es umgekehrt ablaufen. Aber weil die menschliche Wahrnehmung selten logisch oder rational funktioniert, kennt Richard Stora den Satz, der dann meist kommt, schon im Vorhinein: "Können Sie bitte zwei Straßen weiter parken?" lautet er. Oder: "Können Sie in der Nacht kommen?" Oder: "Steht auf dem Gewand und den Geräten eh nix drauf?" Richard Stora muss dann lächeln - und erfüllt den Wunsch: "Diskretion ist in unserem Geschäft wichtig", sagt er. Obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gibt: "Es ist keine Schande, wenn in einer Küche, in einer Wäscherei oder einem Lager Schädlinge auftauchen. Das passiert einfach", erklärt Stora.

Eine Schande - weil ein unschönes und bezeichnendes Bild zeichnend - wäre es lediglich, keine Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Und sich der krabbelnden, nagenden, kriechenden oder fliegenden Quälgeister nicht wieder zu entledigen. So rasch, so gründlich und so professionell es nur möglich ist. Etwa indem man Richard Stora ruft.

Bestandteil der Kultur Stora ist Schädlingsbekämpfer. Genauer: Der 56-Jährige leitet bei der Wiener Reinigungs- und Facilitymanagmentfirma Simacek den Bereich Schädlingsbekämpfung - und das seit mittlerweile 20 Jahren. Sein Department umfasst heute 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, und Sorgen um Job oder Auftragslage muss sich keiner von ihnen machen: Schädlinge - egal ob Schaben oder Ratten, Wanzen oder Mäuse, Motten oder Flöhe - begleiten den Menschen schließlich, seit es ihn gibt. Sie sind ebenso fester wie verhasster Bestandteil jeder Kultur, jeder Zivilisation und jeder Epoche. Und das wird - egal wie gut Richard Stora und seine Kollegen weltweit auch arbeiten - wohl auch so bleiben.

Der Kampf mit und gegen diese "Weggefährten" lässt sich über Jahrtausende zurückverfolgen: Er begann lange vor den (sogar heiligen) Katzen, mit denen die Ägypter ihre Vorräte vor Nagern schützen wollten. Er führte über fahrende Rattenfänger des Mittelalters zu "Kammerjägern", die in den opulenten Kleidern und Frisuren am Hofe Ludwig des XIV. Floh- und Lausfallen versteckten. Er reicht bis zu den Industriealpinisten von heute, die mit komplexen Netzen Innenhöfe und Baudenkmäler vor Tauben schützen.

Hochspezialisierte Mittel

Der Mensch bedient sich in diesem ewigen Match aller Mittel, derer er habhaft werden kann. Seit jeher: Von der zeitlosen, "klassischen" Schlag- oder Mausefalle bis hin zur digitalisierten Online-"Mouse Control", bei der über WiFi und in Echtzeit die Fallen kontrolliert und gesteuert werden können. Von einfachen, Mücken, Flöhe oder Wespen (hoffentlich) vergraulenden Tinkturen und Hausmitteln früherer Jahrhunderte über brutale chemische Megakeulen um die Mitte des 20. Jahrhunderts, die nicht nur Ratten und Schaben den Garaus machten, sondern auch Haustiere, Kinder und Erwachsene schädigten, bis zu den heute gebräuchlichen hochentwickelten, hochspezialisierten Mitteln, deren Wirkstoffe exakt und ausschließlich den jeweiligen "Feind" angreifen: Die Geschichte der Zivilisation ist - auch - die Geschichte der Schädlingsbekämpfung. Nicht zuletzt, weil sie untrennbar mit der Geschichte von Hygiene und Gesundheit verbunden ist. Denn auch wenn es lange - bis ins 18. Jahrhundert - dauerte, zu erkennen, dass etwa nicht die Ratte selbst, sondern von ihr mitgetragene Keime und Erreger tödliche Seuchen verursachten, änderte das am Grundproblem wenig: Wo Schädlinge auftreten, will sich der Mensch ihrer entledigen - aus guten Gründen.

Wobei seriöse Schädlingsbekämpfer da für Augenmaß plädieren. Weil es einen Unterschied macht, ob ein Hornissennest sich irgendwo im Wald befindet oder ein Wespennest genau über dem Esstisch am Balkon hängt. "Wir ziehen nicht los, um zu morden: Wo Natur ist, da gibt es Leben - und das ist gut so." Andererseits sei es aber auch ein Faktum, dass gut zehn Prozent der Welternten von Schädlingen - zumeist Nagern - vernichtet werden. "Es geht ums Fingerspitzengefühl. Um die richtige Balance."

Probleme oft selbstgemacht

Aber auch um das Aufzeigen von Problemen: Rattenprobleme in Wohnhausanlagen etwa seien oft "selbstgemacht", weil in der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft "viel zuviel weggeworfen" werde. Auch Lebensmittel. Mitunter macht aber auch modernes Bauen manchen Lästlingen das Leben leichter: "In einem klassischen Altbau ist man früher im Winter am Gang erfroren. Im Neubau wird heute so gut isoliert, dass es überall warm ist - und bleibt." Das freut nicht nur den Menschen, sondern auch seine "Begleiter" - etwa die Staublaus, weiß Stora: Viele Schädlinge sind, was Aktivität und Entwicklungs- und Vermehrungsgeschwindigkeit angeht, eben stark temperaturabhängig. Und: "Ja, wir spüren den Klimawandel. Das, was wir früher 'Winterloch' nannten, gibt es heute nicht mehr." Nur: Darüber zu lamentieren sei nicht zielführend, betont der Profi, der vor 20 Jahren als Lagerist bei Simacek begann. "Dass das Unternehmen 1942 gegründet wurde, um die kriegsbedingte Rattenplage in Wien zu bekämpfen, weiß heute kaum mehr wer", merkt er an. Ebensowenig wie Schuldzuweisungen: "Einer Küchenschabe oder einer Maus ist es vollkommen egal, wie sauber und hygienisch ein Betrieb ist: Irgendwo oder irgendwie schleppt man sie irgendwann ein - das passiert einfach." Denn gegen Lebensmittelmotten in frisch gekaufter Ware, eine Maus, die am Verladehof der Bäckerei in den Lieferwagen schlüpft, oder eine Küchenschabe, die die feuchte Wärme im frischen Wäschestapel der externen Mietwäscherei einer Hotelkette anziehend findet, nutzen bauliche Maßnahmen, Hygienevorschriften oder penible Mülltrennung wenig. "Dann mit dem Finger auf den Nachbarn oder einen Betrieb zu zeigen, ist einfach - aber unfair."

Prävention wichtig

Dennoch seien Prävention und Beratung ebenso wichtig wie der Kampf gegen die "Invasoren" selbst: Funktionierende Mülltrennung, regelmäßige Kontrollen und das Einhalten von hygienischen und anderen Vorschriften machen es Schädlingen zumindest schwerer, sich auszubreiten oder zu halten. "Schädlingsbekämpfung ist auch eine Bewusstseinsfrage", weiß Stora - und genau da hakt es oft: Etwa wenn Hausbesitzer nicht einsehen, dass Ratten-Kontrollgänge keine Schikane, sondern aus gutem Grund behördlich vorgeschrieben sind.

Gleichzeitig, betont Richard Stora, dürfe man aber auch auf Seiten der Branche nie vergessen, "dass das, was für uns Alltag ist, für jemanden, der von Bettwanzen, Wühlmäusen oder einer Wespeninvasion heimgesucht wird, eine Extremsituation, ein subjektiv einmaliges Problem darstellt." Da gelte es zuzuhören, zu beraten und klarzustellen, dass "Zivilisten" gerade bei spontanen Akten der "Selbstverteidigung" ziemlich rasch ziemlich viel ziemlich falsch machen können.

Nicht zuletzt, wenn sie eigenhändig mit "chemischen Keulen" zuschlagen, die oft im hintersten Winkel des alten Abstellkammerls noch herumliegen. Weil diese Keule eventuell weniger dem "Feind" als dem Anwender, seinen Kinder oder seinen Mitarbeiter auf den Schädel donnert. Stora warnt - und rät zum Anruf bei konzessionierten und mit dem CEPA-Label zertifizierten Experten: "Profis wissen, welche Mittel sie wo, wann, wie und in welcher Kombination einsetzen: Wir sind Spezialisten." Und als Spezialisten wissen gute Schädlingsbekämpfer auch, wie Menschen funktionieren. Deshalb parken sie dann eben eine Gasse weiter - und kommen in neutralen Overalls unauffällig und diskret durch den Nebeneingang. Obwohl es in Wirklichkeit keinen Grund gibt, sich dafür zu schämen, Ärgernisse, die die Menschheit seit jeher begleiten und immer begleiten werden, nicht hinzunehmen oder zu vertuschen - sondern etwas dagegen zu tun.