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Corona-Krise: Experten sehen Chancen

Experten-Diskussion über Bedeutung der Coronakrise

Autor: Stefan Posch

Auf Einladung von Arcadis tauschten sich im Oktober renommierte deutsche Experten zur Leitfrage „Treiber oder Bremse: Was bedeutet Corona für den Immobilienmarkt?“ bei einer Online-Diskussion aus. Aus Sicht der Experten haben sich überwiegend Trends verstärkt, die sich bereits vorher abzeichneten, etwa für Handels-Immobilien oder bei den Büroflächen. In anderen Bereichen, wie bei Businesshotels, kam der Einbruch durch rapide gesunkene Geschäftsreisen überraschend und mit langfristigen Folgen. Einig sind sich die Experten darin, dass die Pandemie den Immobilienmarkt in Richtung Flexibilität und Nachhaltigkeit vorangebracht habe. Dort sehen sie auch die Zukunftschancen der Branche. Teilnehmer der Expertenrunde waren Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust, ECE-Director Markus Lentzler, Stefan Kögl, General Manager der Siemensstadt 2.0 in Berlin und Arcadis CEO Marcus Herrmann. Moderiert wurde die Runde von Thomas Beyerle, Managing Director bei Catella Property Valuation GmbH.

„Wir müssen feststellen, dass die Corona-Krise ein Brennglas ist für Entwicklungen, die in der Vergangenheit schon angefangen haben“, fasst Markus Lentzler, Managing Director beim Einkaufszentren-Entwickler ECE, die Situation im Handel zusammen. „In Zukunft müssen wir uns für Einzelhandelsflächen Umnutzungskriterien überlegen“, sagt der Handelsexperte. „Gerade bei großen Gewerbeimmobilien, wie Shopping-Centern, sollte das Planungsrecht flexibler gehandhabt werden. Wir haben in vielen Objekten Restriktionen oder eine Festsetzung bei der Nutzung von Flächen - etwa für Mode, Unterhaltungselektronik oder Lebensmittel - dabei decken sich die vorgegebenen Formate gar nicht mehr mit dem Markt.“ Dass der Handel einmal nahezu komplett online ablaufen wird, glaubt Lentzler aber nicht. Der ECE-Experte sieht die Zukunft der Innenstädte in kleineren Kiezen, in denen verschiedene Nutzungsformen zum Tragen kommen. Für den Hotelsektor, in dem ECE ebenfalls beteiligt ist, sieht Lentzler große Herausforderungen, ist aber grundsätzlich optimistisch, was die Anpassungsfähigkeit der Branche angeht: „Die Hotelbetreiber zeigen sich flexibel. Sie setzen jetzt auf den Städte-Tourismus“.