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Immo-Finanzierungen gehen drastisch zurück

Büros und Hotels am stärksten betroffen

Autor: Charles Steiner

Auch wenn die Immobilienbranche relativ glimpflich aus der Corona-Pandemie hervorgegangen ist: Zu spüren sind die wirtschaftlichen Auswirkungen dennoch - und zwar im Finanzierungsbereich und hier bei Gewerbeimmobilien. Banken sind wesentlich zurückhaltender geworden, für Büro-, Einzelhandels- und Logistikimmobilien müssen Entwickler und Investoren also mit mehr Eigenkapital vorhalten, um eine entsprechende Finanzierung zu bekommen. Ersichtlich ist das am Deutschen Immobilienfinanzierungsindex DIFI vom Immo-Dienstleister JLL und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die vierteljährlich einen Indikator für gewerbliche Immobilienfinanzierungen erstellt. Diesem zufolge ist der im zweiten Quartal um 37,8 Punkte drastisch gesunken. Mit einem Minus von 56,7 Punkten handelt es sich um den tiefsten Stand des DIFI seit Beginn der Umfrage 2011.

Anke Herz, Team Leader Debt Advisory JLL Germany betont jedoch, dass Finanzierungen durchaus verfügbar seien: „Ein solides Produkt ist bei den Banken immer noch begehrt und wird, wenn auch zu einem niedrigeren Auslauf zu höheren Preisen finanziert.“

Allerdings ist die Stimmung bei den Befragten eher pessimistisch: Die Mehrheit der für den DIFI befragten Experten, Investoren, Kreditinstitute und Beratungshäuser geht sowohl für die Finanzierungssituation der vergangenen sechs Monate als auch in punkto der Finanzierungserwartung für das kommende Halbjahr von deutlichen Verschlechterungen aus. Ein Minus von 62,4 bzw. 55,8 Punkten zeigt die Stimmung deutlich auf. „Fast alle Wirtschaftsbereiche mussten und müssen drastische Einschnitte verkraften. Die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung 2020 in Deutschland schwanken stark, reichen aktuell bis zu einem Minus von 9 Prozent“, so Carolin Schmidt, Department International Finance and Financial Management am ZEW, und ergänzt: „Man kann derzeit noch gar nicht absehen, wie sich die vielfältigen Konjunkturpakete der Bundesregierung, der EZB und der EU-Kommission mittel- und langfristig auswirken werden.“ Was die Nutzungsarten betrifft, so hat der Coronavirus im gewerblichen Bereich vor keiner Assetklasse Halt gemacht. Einzige Ausnahme: Logistikimmobilien. Mit einem Rückgang um 30,8 Punkte erreicht diese Nutzungsart beim Blick auf die Finanzierungssituation einen Stand von minus 26,5 Punkten. Für die Zukunft erwarten die Befragten sogar einen leichten Aufwärtstrend um 2,6 Punkte auf minus 15,3 Punkte. „Damit bleiben lediglich Logistikimmobilien, getrieben durch den Anstieg im Onlinehandel, relativ wertstabil“, so Herz. Stark eingebrochen sind dafür Einzelhandels- und Hotelimmobilien.

Befragt wurden für den Immobilienfinanzierungsindex 27 Experten zur Markterwartung der kommenden sechs Monate. Der DIFI berechnet sich als ungewichtetes Mittel aus den Salden der Finanzierungssituation sowie der Finanzierungserwartung aller Nutzungsarten.