Immobilien Magazin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Erinnern Sie sich noch: Vor fünf Jahren hatten wir, die Immobilienbranche (unter anderem), genau diese Probleme: „Spätestens 2009 müssen alle österreichischen Wohn- und Bürobauten über einen Energieausweis verfügen. Das ist in der Branche mittlerweile jedermann bekannt. Wie das aber im Konkreten aussehen wird, darf im Detail durchaus als Geheimwissen (und zum Teil nicht einmal das) angesehen werden“, schrieb ich damals an dieser Stelle. Im Zuge der Harmonisierung von EU-Standards wurde damals vom österreichischen Parlament ein Gesetz zur Einführung eines Energieausweises bis spätestens 2009 verabschiedet – zur Kenntnis genommen hat das hierzulande in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand. Das liegt nicht am Desinteresse der Österreicher.

Drei von vier Österreichern beschäftigen sich intensiv mit Energiefragen. Fast ebenso vielen, nämlich 73 Prozent, war indessen aber nicht bekannt, dass uns ein Energiepass ins Haus steht. Das hatte einen guten Grund: Alles rund um den Energiepass wird wie eine Geheimwissenschaft betrieben: Einige Gerüchte, kaum Konkretes und an der Öffentlichkeit nicht auftretende Eingeweihte – wenn es solche überhaupt gibt. Zwischenzeitig sind alle Nachfristen der Nachfristen verstrichen, der Energieausweis bindend und die Veröffentlichung der Energiekennzahl in Inseraten ebenso.

Und was hat das alles – sieht man vom damaligen Sturm im Wasserglas ab – in der Praxis verändert? Irgendetwas zwischen „weniger als wenig“ und „gar nichts“ – wohl eher sehr eng bei Letzterem liegend. Der Energieausweis ist indessen nur ein Miniproblem in einem Ministaat. Denn Österreich insgesamt hat um rund ein Drittel weniger Einwohner als beispielsweise die US-Stadt New York, leistet sich aber zum Drüberstreuen knapp 2500 Gemeinden und neun Bundesländern. Von den Verwaltungsbezirken mal ganz abgesehen. Wer das in einem gemeinsamen Europa für normal hält, dem ist nicht mehr zu helfen! Und weil unser Miniland immer noch von (Landes-)Fürsten mit einem Ego, das jedenfalls deutlich größer als die Zahl der dort lebenden Bürger und Bürgerinnen ist, regiert wird, haben wir auch neun unterschiedliche Baurechte. Jeder Landesfürst verteilt gütig die immer noch anachronistische Wohnbauförderung (ich bin nicht grundsätzlich gegen Wohnbauförderung, aber sehr wohl gegen das überkommene heutige System der Verteilung dieser Steuergelder). Und weil das noch nicht genügt, werden immer mehr andere Themen dank rekordverdächtiger Bundesregierung auch noch verländert.

Sollen sie es tun, aber dann schaffen wir doch bitte die Bundesregierung ab und verlagern die mikrobenartigen Restbestände, die an Kompetenzen noch verblieben sind, auch noch zu den Ländern – oder, besser, gleich in die EU. Die so eingesparten Millionen könnte man dann beispielsweise für wirklich nachhaltige Standortmarketingmaßnahmen und Unternehmens-dabehalte-Aktionen (längst geht es nicht mehr um Unternehmensansiedlung, sondern um Verlangsamung der Unternehmensabsiedlung) verwenden. Da hätte man gleich einen doppelten Effekt – weil zwischenzeitig hat die „Bundesebene“ nicht einmal mehr Unterhaltungswert.

Herzlichst, Ihr

Gerhard Rodler

Herausgeber