Immobilien Magazin

Markt der Woche: Hongkong

Duftender Hafen als Becken für Immobilienhaie

Autor: Stefan Posch

Hongkong, was übersetzt duftender Hafen bedeutet, ist ein Immobilienmarkt der Superlative. Die ehemalige britische Kolonialstadt hat in diesem Jahr die angolanische Hauptstadt Luanda als Spitzenreiter des Cost-of-Living-Ranking von Mercer, das die Lebenshaltungskosten von Mitarbeiter im Ausland ermittelt, verdrängt. Zudem ist Hongkong laut des Immobiliendienstleisters Savills - noch vor Monaco - der teuerste Wohnort der Welt.

Grund für das Ausarten der Immobilienpreise ist der schier unendliche Kapitalfluss aus ganz China. Hongkong ist schließlich der einzige völlig offene Immobilienmarkt im Land der Mitte. Die Regierung der Sonderverwaltungszone reagierte auf die explodierenden Preise und erhöhte im November die Stempelsteuer für Immobilientransfers auf 15 Prozent. Die zweite Erhöhung innerhalb von drei Jahren. Erst 2013 wurde die Abgabe von 4,25 auf 8,5 Prozent aufgestockt.

Knight Frank erwartet deswegen einen Rückgang der Transaktionen bei Wohnimmobilien, aber trotzdem weiterhin stabile Preise. Derzeit muss man für eine Luxuswohnung im Bezirk The Peak laut einer Studie von Knight Frank durchschnittlich 54.300 Euro pro Quadratmeter berappen. Die Preise der Büromieten sind in diesem Jahr stark gestiegen. Im Zentrum innerhalb eines Jahres um 8,1 Prozent. Durchschnittlich 192 Euro muss man hier für einen Quadratmeter erstklassiger Bürofläche monatlich einkalkulieren.

Im Retailsektor gingen die Preise im Vorjahresvergleich hingegen zurück, im Durchschnitt um 4,1 Prozent. In Hongkong werden Retail-Gebäude im sogenannten „Ginza-style“ immer beliebter. Bei dem nach einem Tokioer Stadtviertel benannten Konzept werden auch die oberen Stockwerke eines Gebäudes mit Geschäften belegt. Für die Investoren bieten solche Gewerbe-Hochhäuser laut Savills bessere Renditemöglichkeiten als Bürotürme. Zudem können so auch kleinere Geschäfte an den Core-Einkaufsstraßen präsent sein.

Ob die galoppierende Preissteigerung in ein Platzen einer Immobilienblase endet, ist nicht abzusehen. Die Furcht davor ist aber groß. Schließlich hätte dies Auswirkungen auf ganz China und somit auch auf die gesamte Weltwirtschaft.