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Neue Hotels reüssieren, alte gefährdet

Covid-19 als Brandbeschleuniger

Autor: Gerhard Rodler

Auch vor dem aktuellen Hintergrund der kriselnden Tourismuswirtschaft werden in Wien die projektierten Hotels weitgehend realisiert. Lediglich ein Hotelprojekt im zweiten Bezirk befindet sich nach immoflash-Informationen derzeit auf dem Prüfstand, dürfte redimensioniert und die frei werdenden Flächen zu Büros oder Serviced Apartments werden. Denn grössere Chancen werden derzeit den Serviced Appartements in Wien gegeben, vor allem wenn diese nicht vor Ende 2021/Mitte 2022 fertig gestellt werden.

Das verwundert auf den ersten Blick, wenn man die aktuellen Übernachtungszahlen vor Augen hat. Die Stadt Wien hatte knapp 190.000 Nächtigungen im Juni 2020 (inkl. Hochrechnung), dies entspricht einem Ausfall von 88 Prozent aller Nächtigungen. Mit einem etwa 45 Prozent-Anteil haben die Österreicher einen fast doppelt so hohen Übernachtungsanteil als sonst. Länder wie USA, China etc. sind de facto ausgefallen.

Laut dem Hotelconsulter mrp sind derzeit vermutlich etwas mehr als 50 % der Hotels in Wien geöffnet. Freizeitreisende kehren langsam, aber schneller als Geschäftsreisende, wieder zurück in die Städte. Geschäftsreisen bleiben weiterhin in vielen Städten aus. Internationales Geschäft kommt langsamer zurück als nationales.

Großveranstaltungen und Messen werden nicht mehr vor Jahres Ende stattfinden können. Gruppenreisen werden auch bis auf weiteres ausfallen.

Viele Märkte werden über Jahre hinweg Überkapazitäten aufweisen, insbesondere wenn in vielen Städten, die sich in Fertigstellung befindlichen Development-Projekte, auf den Markt kommen. Martin Schaffer, Partner bei mrp Hotels: "Es kommen schwierige Zeiten auf die Stadthotellerie zu."

Damit wird COVID-19 zu einem Brandbeschleuniger, die neuen Hotels werden veraltete Betriebe verdrängen.

Eine Pauschalaussage zur künftigen Geschäftsentwicklung von Hotels kann nicht getroffen werden. Diese hängt immer mehr von Lage, Produkt, Zielgruppe und Entwicklung einzelner Frequenzgeneratoren ab.

Belastbare und planbare Forecasts zu erstellen wird aufgrund von zahlreichen Restriktionen, regionalen Shut-Downs etc., immer schwieriger. Hoteliers, Eigentümer und Banken benötigen eine flexiblere Form der Zusammenarbeit und müssen Verträge neu ausgestalten.

Viele Betreibergesellschaften werden ohne externe Unterstützung Probleme bekommen. Eigentümer werden Bank- und Corporate-Garantien ziehen. Der Abschluss von neuen, gut besicherten Pachtverträgen wird schwieriger als je zuvor.

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