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Objekt der Begierde

Die Akquirierung von Objekten wird für Immobilienmakler immer schwieriger. Denn nur wenige wollen derzeit ihre gebrauchte Wohnimmobilie für einen realistischen Verkaufspreis auf den Markt bringen.

Autor: Stefan Posch

Unter 5.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verkaufe ich nicht", bekam Stephan Huemer, Geschäftsführer Bestreal Immobilienconsulting, vom Eigentümer zu hören, als er kürzlich ein Zinshaus am Wiener Gürtel im 17. Bezirk besichtigte. "Das ist ein Wahnsinn, wenn jemand heute verkauft, dann nur zu einem Superpreis", klagt der Immobilienmakler. "Da muss man schon einen wirklichen Liebhaber finden, der bereit ist, solche Summen zu zahlen", gibt Huemer zu bedenken. Heutzutage müsse man zudem viel mehr Energie damit aufwenden, Objekte zu finden, als damit, sie zu vermarkten. Denn verkaufen wollen heute nur noch wenige, auch aufgrund der derzeit fehlenden Möglichkeiten für eine alternative Investition.

Übertriebene Preisvorstellungen

Auch Peter Weinberger, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien Vermittlung, sieht die übertriebenen Preisvorstellungen der potenziellen Verkäufer als einen Hauptgrund, warum die Anzahl der Transaktionen gebrauchter Wohnimmobilien zurückgeht. "Die Vorstellungen sind teilweise unter ferner liefen", meint Weinberger. Auch weil Wohnungseigentümer den Wert ihrer gebrauchten Immobilien oft mit jenen von Neubaupreisen vergleichen würden. Medienberichte über Rekordpreise tun ihr Übriges.

Angebotspreis und Verkaufspreis

Zudem würden sich viele an den Angebotspreise auf Immobilienplattformen orientieren. Der wirkliche Verkaufspreis liege aber zehn bis 30 Prozent unter den Angebotspreisen, erklärt Weinberger. Wenn der Makler dann eine realistische Preiseinschätzung gibt, dann sei die Enttäuschung sehr groß, und viele würden dann probieren, die Immobilie selbst zu vermarkten, so Weinberger weiter. Dass immer mehr Leute versuchen, ihre Immobilie privat zu verkaufen, hat auch mit der einfacheren Vermarktung durch Immobilienplattformen zu tun. Zudem macht es die hohe Marktnachfrage den Laien einfacher, Interessenten zu finden. "Je geringer die Nachfrage, umso mehr braucht man den Makler", erklärt Weinberger. "Wir sind heute viel mehr Dienstleister bei der Abwicklung des Kaufvertrages", so Weinberger, der die Verkaufsabwicklung als ein immer größer werdendes Thema für Immobilienmakler sieht.

Niedrige Zinsen

Ein weiterer Grund, warum wenig auf den Markt kommt, sind die niedrigen Kreditzinsen. "Jene, die spekulativ gekauft haben, müssen derzeit nicht verkaufen, da die Darlehenszinsen so niedrig sind", erklärt Huemer. Zudem würden jene, die eine Immobilie anbieten, mit dem Preis nicht runtergehen, sondern lieber abwarten, da die Zinsbelastung derzeit so gering ist. Er habe deswegen auch Objekte, die schon zwei Jahren am Markt seien, erzählt Huemer. Nur jene, die akut Bargeldbedarf hätten, seien bereit, ihre Immobilien zu veräußern. Im Falle einer Scheidung etwa, oder wenn ein Umzug in eine andere Stadt ansteht. Laut Weinberger ist das Festhalten an gebrauchten Wohnungen aber der falsche Zugang: "Es ist klüger, eine alte Immobilie zu verkaufen und eine Vorsorgewohnung zu erwerben. Bei einer neuen Wohnung hat man 15, 20 Jahre eine Ruhe und bei einer 20 Jahre alten Wohnung hat man eine viel höhere Alterswertminderung", erklärt Weinberger. Er sei zudem nicht der Meinung, dass eine gebrauchte Wohnung an Wert gewinne.

Kleine Makler besonders betroffen

Besonders für kleinere Makler ist der Akquirierungsdruck gestiegen. "Bei denen zählt jede Immobilie", so Weinberger. Manche machen deswegen Versprechungen, die sie nicht einhalten können. "Diese Einstellung hilft niemandem, denn verkaufen können sie das Objekt dann sowieso nicht", gibt Weinberger zu bedenken. "Wenn jemandem der geschätzte Preis zu gering ist, dann soll er es selber probieren." Auch Huemer sieht Vorteile bei den großen Maklerfirmen. "Die sind besser vernetzt und können deswegen ganz anders akquirieren", erklärt der Makler. Für ihn sei es eine ganz andere Situation: "Akquirieren heißt für mich, Eigentümer zu eruieren und fremde Leute anzusprechen." Die Raiffeisen Immobilien Vermittlung hat kürzlich eine Tippgeldinitiative gestartet: 100 Euro bekommt ein Tippgeber, falls ein Alleinvermittlungsauftrag zustande kommt. Damit wolle man vor allem Aufmerksamkeit generieren, erklärt Weinberger. "Wir haben nicht gedacht, dass dadurch plötzlich die Objekte reinsprudeln werden", so der Immobilienprofi weiter. Weinberger sieht aber ein Licht am Ende des Tunnels. Die Preissteigerungen würden nämlich "nicht ewig so weitergehen". "Ich glaube, dass die Akquise dann wieder leichter werden wird", so Weinberger.

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