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Office ist tot, es lebe das Neue Office

Büroflächen erfinden sich neu - Nachfrage steigt sogar

Autor: Gerhard Rodler

Wer durch die - teilweise immer noch - halbleeren Büros geht, denkt jetzt über eine Redimensionierung der benötigten Flächen nach. Auch, weil die leeren Fläche gespenstisch aussehen. Dass der Bedarf an Flächen mittel- bis langfristig sinkt, halten aber dennoch immer mehr Experten für undenkbar. Im Gegenteil: Es gibt sogar Stimmen, die von mehr m² pro Mitarbeiter ausgehen.

„Corona als Katalysator für die Entwicklung auf den Büromärkten schafft eine neue Realität mit klaren Gewinnern und Verlierern“, sagt Alex Lund, Manager European Research and Strategy bei M&G Real Estate, „als Büros auf der ganzen Welt als Reaktion auf die Eindämmungsmaßnahmen der Regierungen geschlossen wurden, verlegte sich der Arbeitstag im Handumdrehen in unsere Küchen, Schlaf- und Wohnzimmer.

Die CEOs beglückwünschten ihre Teams zu der Geschwindigkeit dieses Übergangs. Doch schon bald stellte sich die Frage, ob dies zu einem dauerhaften Wandel führen würde. Die Antwort ist sehr von den jeweiligen persönlichen Umständen abhängig. Zwar wurden die Home-Office-Richtlinien massenhaft angenommen, doch die individuellen Erfahrungen waren bei weitem nicht einheitlich. Sie waren und sind abhängig von der Kinderbetreuung, der Möglichkeit eines privaten, ruhigen Arbeitsplatzes, der Fähigkeit nach getaner Arbeit abzuschalten, der richtigen IT- und Schreibtischausstattung, sozialen Aspekten und vielem mehr.

Die psychologischen Auswirkungen der Lockdowns sind entscheidend für die Sehnsucht der Mitarbeiter nach einer Rückkehr ins Büro. Viele sind zum Beispiel (noch) nicht bereit, wieder den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Doch die Geschichte lehrt uns, dass Erinnerungen schnell verblassen. Nach dem Terroranschlag von 9/11 in New York prophezeiten Kommentatoren das Ende des Wolkenkratzers. Offensichtlich war dies nicht der Fall. Sobald ein Impfstoff gefunden wird, könnten wir einen ersten neuen Ansturm auf die Büros erleben: Viele Arbeitnehmer sind isolationsmüde und suchen Sozialkontakte bei der Arbeit. Wir glauben fest an die Zukunft der Büroimmobilien. Die eigentliche Frage ist vielmehr, wie das moderne Büro aussehen sollte und ob die bestehenden Gebäude in einer Post-Virus-Welt noch angemessen sind.

Das Bürogebäude wird bleiben, wobei der Schwerpunkt auf Qualität statt Quantität liegt. Die typische moderne Büroumgebung spiegelt heute etwas Ansprechenderes wider als Reihen identischer Kabinen. Das Büro ist ein Teil der Kultur einer Organisation. Im Kampf um Talente ist dies von entscheidender Bedeutung.

Gewinner sind die zentralen Lagen. Die Verlagerung der Nutzer in zentral gelegene Front-Offices hat viele Gründen: bessere Anbindung, Agglomerationsvorteile, Talentbindung oder ein geringerer CO2-Fußabdruck. Wichtig ist dabei, dass wir sehr sorgfältig über die Gestaltung von Büroraum nachdenken und gleichzeitig längerfristige ESG-Ziele berücksichtigen.