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Retailmarkt: Vermieter gehen auf Bonität

Jones und Forever21 bereits insolvent

Autor: Charles Steiner

Die steigenden Wachstumsraten im Onlinehandel bedrohen zunehmend den stationären Handel, vor allem in der Bekleidungsbranche. Laut dem aktuellen EHL-Update zum Einzelhandelsimmobilienmarkt für das dritte Quartal sei die erstarkende Online-Konkurrenz zunehmend ein Mitgrund für die jüngsten Insolvenzen im Textilhandel. Ende September etwa schlitterte der österreichische Modehändler Jones mit 40 Standorten und 16 Franchisenehmern in die Insolvenz, jüngst folgte auch der US-amerikanische Einzelhändler Forever 21, der auch in Wien zwei Geschäfte unterhalten hatte. Das habe Einfluss auf das Verhältnis zwischen Flächenanbietern und Mietern, wie EHL erklärt. Mittlerweile würde durch Vermietungen nicht mehr ausschließlich der höchstmögliche Mietertrag angepeilt, sondern vermehrt Aspekte wie Kaution und Bonität des Mieters. Auch würde man mehr auf Risikostreuung in Form von Aufteilung auf unterschiedliche Branchen achten. Ersichtlich ist das unter anderem auch an der Mietentwicklung, die sich gegenüber dem ersten Halbjahr nicht wesentlich verändert habe. Zwar werden zuweilen auf der inneren Mariahilfer Straße und Kärntner Straße "deutlich aus dem Rahmen fallende Mieten verlangt", sie seien aber nicht marktrepräsentativ. Die Mieten rangieren ab zehn bis 30 Euro in der Meidlinger Hauptstraße bis zwischen 250 und 400 Euro am Kohlmarkt.

Große Neueröffnungen habe es keine gegeben, allerdings ließ die Signa zuletzt mit ihren Plänen für ein KaDeWe in der Mariahilferstraße aufhorchen (immoflash berichtete). Dort stehe eine mögliche Eröffnung 2023 im Raum.

Generell sei der Umsatz im österreichischen Handel gesamt positiv gewesen, im ersten Halbjahr wuchs die Handelsbilanz erneut um einen Prozent an. Dabei erzielte der Onlinehandel allerdings nach wie vor höhere Wachstumsraten, zitiert EHL eine aktuelle KMU-Forschung Austria. Die Top-3-Warengruppen sind aktuell Bekleidung (1,9 Milliarden Euro Umsatz), Elektrogeräte (1,2 Milliarden Euro Umsatz) und Bücher (0,7 Milliarden Euro Umsatz). Die stärksten Zuwächse verzeichnen die Branchen Möbel/Deko (+18 Prozent), Kosmetik (+12 Prozent) und Schuhe/ Lederwaren (+9 Prozent). Allerdings: Rund 4,5 Milliarden Euro oder 57 Prozent der heimischen Onlineausgaben würden mittlerweile von ausländischen Anbietern erzielt. Der Einzelhandel befinde sich damit tatsächlich im Umbruch, konstatiert EHL, er müsse sich in Teilbereichen gar neu erfinden.