Immobilien Magazin

SCHWARZGELD-PARANOIA

Banken- und Finanzwirtschaft handeln paranoid, wenn es um die Verfolgung von Schwarzgeld geht - nur leider bei den Falschen.

Autor: Romana Kanzian

Seien wir mal ehrlich: Es ist vollkommen egal, welche Art von Schwarzgeld von wem und wo am häufigsten gewaschen wird. Wäscht die Hisbollah in Berlin ihr Drogengeld, um damit ihre Waffenkäufe zu finanzieren, oder sind es Russen, die mit ihren Immobilienkäufen die Preise steigen lassen? Der klassische, von der Kriminalstatistik Opfer-Täter-Rollenverteilung ist in Sachen Geldwäsche nicht so einfach auseinander zu dividieren.

Daher die krude Tatsache: Gesucht wird meist bei den Falschen; und selbst wenn man nur von 50 Milliarden Euro Geldwäschevolumen im Jahr in Deutschland ausgeht, bedeutete das: Bisher wurde sind nicht mal ein Prozent konfisziert. Dafür geht es den Kleinen an den Kragen. Einem befreundeten Fotografen hatte die Commerzbank 25.000 € eingefroren, die von einem dringend erwarteten Honorar stammten. Die Begründung: Verdacht auf Geldwäsche. Die Banken erstellen so fleißig Verdachtsmeldungen, weil Geldwäschebekämpfung schon immer deren Herzensangelegenheit war. Was im Finanzbereich fast schon paranoid anmutet, fehlt im Nichtfinanzbereich. Nach Erkenntnissen von Ermittlern mangelt es bei einer ganzen Reihe von Marktteilnehmern im Immobilienbau und der Immobilienverwaltung an Sensibilität für Geldwäschethemen.

"DIE MIETEN SCHEINEN BEI DEN GELDWÄSCHERN DEUTLICH BILLIGER ZU SEIN."

Dabei sind die Abläufe bekannt: Mittellose Strohleute treten mit gefälschten Einkommensnachweisen als Kreditnehmer für den Kauf von Immobilien auf und bringen als Eigenkapital illegales Vermögen Dritter ein. Hinzu kommt: Notare wissen nichts über die Geldströme nach einer Immobilientransaktion: Da der Kaufpreis meist direkt vom Käufer an den Verkäufer gezahlt wird, hat der Notar in der Regel keinen Einblick in die Zahlungsflüsse und die Herkunft der Mittel. Dominik Hüren, Sprecher der Bundesnotarkammer, bestätigt: "Wird eine Immobilie beispielsweise von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gehalten, können die Gesellschaftsanteile - und damit mittelbar auch die Immobilie - ohne notarielle Mitwirkung und außerhalb des Grundbuchs übertragen werden."

Hängt man in Neukölln ab, sprechen die Leute frei von der Leber weg über ihre Wohnsituation: "Ich wohne bei der Mama. Na, und?" Die Mieten scheinen bei den Geldwäschern deutlich billiger zu sein, und Einkommens-, Mietschuldfrei-Bestätigung sowie Schufa-Auskunft werden kaum verlangt. Hier treffen aufstrebende Startup-Mitarbeiter aus Südamerika auf arabische Großfamilien. Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen auf anatolische Gemüsehändler. Hier fragt niemand, wie Hartz IV mit Luxuskarossen und Immobilieneigentum vereinbar ist.

Wer sich übrigens genauer über die unterschiedlichsten Formen von Geldwäsche informieren möchte, der sollte sich unbedingt die Netflix-Serie "Ozark" ansehen. Jason Byrde spielt dort einen zum Geldwäscher gewordenen Finanzberater.