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Wien wächst in die Breite

Wohnungskäufer entdecken äußere Bezirke

Autor: Gerhard Rodler

Die Nachfrage nach Wohnungseigentum in der Bundeshauptstadt Wien bewegt sich in Richtung Stadtrand. Das zeigt der Marktbericht Wien von immowelt.at. In fast allen Bezirken außerhalb der inneren Stadt haben die Angebotspreise im 1. Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahr zwischen 4 und 20 Prozent zugelegt. Der mittlere Wohnungspreis steigt in der Gesamtstadt mit 3.920 Euro pro Quadratmeter moderat (+3 Prozent). Wie bereits in den letzten Jahren spielen bei der Käuferschaft nicht nur Eigennutzer, sondern auch private Anleger eine wichtige Rolle.

Die Auswertung der Angebotspreise im 1. Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigt für Wien einen Trend, den auch andere Metropolen erleben: Weil die Quadratmeterpreise im Stadtkern auf ein schwer erreichbares Niveau gestiegen sind, suchen Kaufinteressenten nach günstigeren Alternativen weiter draußen. Vorausgesetzt dass auch dort die Verkehrsanbindung, Infrastruktur und Lebensqualität stimmen, steigen in den äußeren Bezirken unter dem Druck der Nachfrage die Preise.

Westlich der Donau lässt sich das in Wien derzeit besonders in Ottakring (3.677 Euro, +9 Prozent), Brigittenau (3.242 Euro +7 Prozent), Rudolfsheim-Fünfhaus (3.068 Euro, +7 Prozent) und – aufgrund der günstigeren Ausgangspreise und Ausstrahlung des Projektes Hauptbahnhof – in Favoriten (3.161 Euro, +12 Prozent) beobachten. Aber auch in den Bezirken am äußeren westlichen Stadtrand wurden leichte Preissteigerungen zwischen 4 und 7 Prozent verzeichnet.

Am stärksten sind die Wohnungspreise im Bezirk Florisdorf (3.548 Euro, +20 Prozent) nordöstlich der Donau gestiegen. Das Entwicklungspotenzial dieses durch Reihenhaussiedlungen und große Mietshäuser geprägten Bezirkes liegt vor allem im Bereich der Donau und an der U1-Linie. Direkt an der Station Aderklaaer Straße entsteht derzeit der Stadtteil Citygate mit über 400 neuen Eigentums- und 700 Mietwohnungen. Der benachbarte Bezirk Donaustadt beherbergt mit der Seestadt Aspern derzeit das größte Wiener Stadtentwicklungsprojekt. Die Wohnungspreise sanken dort zwar zwischen 2013 und 2014 um 7 Prozent auf 3.819 Euro, im Vorjahr hatten sie aber einen Preissprung von 22 Prozent hingelegt. Beide Bezirke stehen für das Potenzial des Nordens auf dem Wiener Wohnungsmarkt.

Dynamisch zeigt sich der Markt für Eigentumswohnungen auch im Bezirk Leopoldstadt (4.108 Euro, +17 Prozent), der eine Art Brückenfunktion zwischen Zentrum und Donaustadt einnimmt. Preislich bis dato eher auf oberem Vorstadtniveau, kostet ein Quadratmeter im 2. Bezirk heute im Schnitt erstmals mehr als 4.000 Euro. Neben der eröffneten neuen Wirtschaftsuniversität dürften Projekte zur Entwicklung der Donaukante sowie die geplante Umwandlung des ehemaligen Nordbahnhof-Areals in ein neues Stadtquartier die Leopoldstadt weiter aufwerten.

Die Wohnungspreise in den zentral gelegenen teuren Wohnlagen rund um den 1. Bezirk sind dagegen im Vergleich zum Vorjahr vorwiegend stabil geblieben oder sogar zurückgegangen. Der Quadratmeter in Alsergrund, Josefsstadt, Neubau, Mariahilf und Margareten ist deshalb weiterhin zwischen 4.100 Euro und 5.100 Euro zu haben.